Singen „mit Händen und Füßen“
Konzert des Afrika-Chores Mokolé am 17. Juli 2011 in der Kirche
Singen „mit Händen und Füßen“, in vielen Sprachen, vielerlei Rhythmen und immer in Bewegung durften die Zuhörer in der gut besetzten evangelischen Kirche am Sonntagabend eineinhalb Stunden lang erleben: Der Afrikachor „Mokolé“ aus Heidelberg unter Leitung von Eva Buckman gab ein Sonderkonzert in der Reihe „Musik und Wort“. Eva Buckman hat an der Musikhochschule Karlsruhe Querflöte studiert, ist Fachbereichsleiterin für Bläser und Schlagzeug an der Musik- und Singschule Heidelberg und hat 2004 das Projekt „Afrika-Chöre“ ins Leben gerufen, an dem mittlerweile vier verschiedene Chöre beteiligt sind, darunter „Mokolé“. Weiße deutsche Sängerinnen und Sänger interpretieren afrikanisches Liedgut. Auf Reisen in den Schwarzen Kontinent erarbeitet sich Eva Buckman die typische Vortragsweise mit der entsrechenden Intonation und der dazugehörigen Körpersprache, die sie ihren Chormitgliedern vermittelt.
Der Auftritt in der evangelischen Kirche war schlichtweg mitreißend. Stimmgewaltig und begeistert intonierten die gut 20 Sängerinnen und Sänger eine Reise durch die verschiedenen Staaten und trugen ihre Lieder in der jeweiligen Landessprache vor. Gesungen wurde in Zulu und Xhosa, Suaheli, Fanti und anderen Sprachen. Begleitet wurde der Chor teilweise von dem schwarzen Trommler Francis Buffoe an der Djembe.
Der Abend begann mit dem temperamentvollen Begrüßungslied „Sani bonani“. Musik habe in Afrika einen sehr hohen Stellenwert, erläuterte ein Sprecher. Sie strukturiere soziale Ereignisse, begleite den Tag und bestimme die Atmosphäre. Die Lieder dieses Abends in Weingarten befassten sich mit Themenkreisen, die von Freundschaft und Zusammenhalt sprachen. Es waren Ghospels zu hören, die von tiefem Glauben zeugten: „Es gibt keinen Weg, der nicht irgendwann nach Hause führt“ hieß beispielsweise ein Titel und es gab humorvolle Beiträge über die Beziehung zwischen Mann und Frau. Alle Lieder waren sehr rhythmisch und wurden von einschlägigen Bewegungen begleitet. Dem Konzert war ein Workshop vorausgegangen, an dem sich ein gutes Dutzend der Zuhörer beteiligt hatte. Sie wurden eingeladen, ein Lied mitzusingen und ihre Freude war sichtlich groß. Gegensätzlich beeindruckend - nämlich nicht durch mitreißenden Schwung, sondern durch andächtige Ruhe - erklang ein geistlicher Kanon, ein sanftes, mehrstimmiges Hosanna, ein Gospel aus Lesotho. Das Publikum lauschte still und versunken dem dahinfließenden Klang. Den humorvollen Schluss bildete die gesungene Aufforderung einer Frau an einen Mann, arbeiten zu gehen, um den Brautpreis bezahlen zu können. Die Heidelberger Afrika-Chöre sind bestrebt, mit den Erlösen ihrer Auftritte ein Netzwerk zu errichten mit dem Ziel, talentierte afrikanische Musiker zu unterstützen und zu fördern und im Gegenzug dazu den musikalischen Reichtum Afrikas nach Europa zu bringen.
Text und Foto: Marianne Lother