Startseite Archiv

Geistlicher Gruß

1. Juli 2010

Sicher kennen sie auch den Satz: „Liebe macht blind.“ Tatsächlich aber ist nichts auf der Welt so klar und scharfsichtig wie die Liebe! Und wenn wir einen Zustand erleben, der unsere Wahrnehmungsfähigkeit trübt, sollten wir ihn nicht Liebe nennen. Das, was uns blind macht, ist nicht Liebe, sondern Abhängigkeit. Abhängigkeit entsteht durch den Irrglauben, einen bestimmten Menschen – oder auch eine spezielle Sache – unbedingt zum eigenen Glück zu brauchen. Abhängigkeit macht tatsächlich blind, denn sie neigt zur Idealisierung und blendet das Schwierige und Unangenehme aus. Wenn jemand einen Menschen so „liebt“, sieht er ihn gar nicht wie er ist, sondern so wie er ihn braucht.

Ein schönes Merkmal für die Liebe ist, dass sie uns öffnet und hellsichtig macht. Im Zustand der Liebe werden wir empfänglich für die Einzigartigkeit und Schönheit aller Dinge und jedes Menschen in unserer Umgebung, ohne die dunklen Seiten zu übersehen. Wir können schwerlich etwas lieben, was wir nicht kennen und wahrnehmen. Eigentlich ist es sogar so, dass in der wirklichen Liebe zu einem Menschen die Liebe zu allen Menschen verborgen liegt und wachsen will. Wenn wir einen Menschen auf Kosten anderer lieben, darf das nicht Liebe genannt werden, denn die Liebe klammert nichts und niemanden aus. Die Liebe, deren Ursprung Gott ist, schließt das Ganze des Lebens ein.

Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit,
Eberhard Blauth, Gemeindediakon