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Geistlicher Gruß

„Wir beten immer vor dem Essen!“, erzählt ein Junge seinem Freund. „Wir brauchen das nicht“, antwortet der, „Meine Mutter kann kochen.“ So kann man das auch sehen. Aber das ist ja nicht der Grund, warum manche Familien vor dem Essen beten. Vielleicht steckt dahinter Gewohnheit, so habe ich es als Kind erlebt und so gebe ich es meinen Kindern und Enkeln weiter. Das Gebet vor dem Essen oder das Gebet abends vor dem Schlafengehen. Sie sind zu einer guten Gewohnheit geworden. Eine Gewohnheit, die uns aber auch daran erinnert, dass es eben nicht selbstverständlich ist, dass das Essen auf dem Tisch steht, dass ich Menschen um mich habe, die mich lieben und sich um mich sorgen, dass ich ein Zuhause habe. Beten heißt dann auch „Danke sagen“ für das, was mir gegeben und geschenkt ist.

Aber zum Gebet gehört nicht nur das Danken, sondern auch das Bitten. Was bringt mir die Zukunft, welche Sorgen treiben mich um und wie wird es weitergehen mit mir, meiner Familie, mit denen, die mir am Herzen liegen? In unserer Kirche gibt es eine Gebetsnische, in der solche Fragen und Bitten aufgeschrieben und abgelegt werden können. Manchmal ist es eben einfacher, etwas aufzuschreiben und so still vor Gott zu bringen. Dennoch werden wir im Gottesdienst am kommenden Sonntag einige dieser Gebete aufgreifen und gemeinsam dafür beten. Dazu lade ich herzlich ein.

Dank und Bitte. Das sind zwei gute Gründe, um zu beten. Aber es gibt noch einen weiteren Grund. Wir beten, weil wir gerne mit einem Freund reden. Freunden erzählen wir, was wir erlebt haben, was uns gefreut und geärgert hat, reden stolz von unseren Erfolgen und müssen auch nicht verschweigen, was uns nicht gelungen ist. Freunde hören zu, können trösten und helfen - manches freilich muss ich auch allein tragen. Aber es tut gut, darüber sprechen zu können, denn es macht manches leichter. Daher ist für mich ein guter Grund zu beten der, mit Gott reden zu können - wie mit einem Freund. Im Alten Testament wird das einmal über Mose gesagt: Gott habe mit ihm geredet, wie man mit einem Freund redet. Und Mose hat dies sicher auch getan.

Mit Gott reden, wie mit einem Freund. Das ist doch auch Grund, um zu beten. Immer wieder oder auch wieder von neuem.

Ganz herzlich grüßt Sie

Ihr Jochen Stähle, Pfr.